Nachgefragt

aktualisiert Okt. 2016

Publikum: Diese vielen Details. Das ist fantastisch. Man kann sich so sehr in die Situation hineinversetzen!

IH: Das freut mich sehr zu hören. Meistens wird mir meine Detailverliebtheit zum Verhängnis. Das mögen nicht alle Leser. Aber es ist schön, dass die Geschmäcker verschieden sind. Ich mag Details. Wenn der Fantasie des Lesers zu viel Freiraum gegeben wird, kann man ja gleich ein Bühnenstück schreiben.

 

Publikum: Wie machst du das im Alltag, ich finde keine Zeit zum Schreiben, obwohl ich hundert Skripte schon fertig im Kopf habe.

IH: Ich denke, das ist alles eine Frage der Disziplin. Das soll nicht überheblich klingen, sondern mutet wahrscheinlich spießig an: Alles hat im Tages- und Wochenplan seine feste Zeit: Kinderspielzeit, Gartenarbeit, Schulzeug, Wandern, Schwimmhalle, … alles, sogar der Kater hat sein festes Stündchen. Anders wären Familie, Haushalt, Bauernhof, Hauptberuf und Schreiberei nicht zu schaffen und anders würde ich vielleicht zur Rabenmutter. Unter der Schulzeit komme ich so gut wie gar nicht zum Schreiben, nur am WE. Das macht mich leicht reizbar, weil mir dann der Ausgleich fehlt. (Verbiete mal einem Marathonläufer seinen täglichen Lauf!)

 

Publikum: Woher nehmen Sie die Details über die lokalen Begebenheiten? Man taucht ja direkt hinein in die Gegend, die Sie beschreiben.

IH: Ich bin regelmäßig vor Ort. Meine Romane entstehen nicht im Notizbuch. Das kommt viel später. Geschichten finden mich durch Zufallsbegegnungen. Zuerst sind da immer Wanderungen mit der Familie und dann ist das vielleicht wie eine Initialzündung. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Mich holen Geschichten ein, wenn ich an einen Ort komme. Das kann eine Lichtung im Wald sein, oder eine knorrige Brücke über einen Bach oder eine Schlossruine. Es sind eher die unscheinbaren, verlassen wirkenden Orte, die mich inspirieren. Beiweitem nicht jeder Ort hat eine Geschichte, aber wenn, dann lässt es mich nicht so schnell los und ich kehre immer wieder dort hin zurück.

 

PR: Wann begannen Sie mit der Schreiberei?

IH: Mit neun Jahren, da schrieb ich die „unglaubliche Reise zum Mond“ in ein DDR-Schreibheft, malte Bilderchen und klebte einen festen Pappeinband vorn und hinten drauf (Bücher haben doch feste Einbände!), leider nach dem 9. Umzug verschollen.

 

PR: Woher nehmen Sie die Ideen für Romanstoffe?

IH: Nicht aus Träumen (wie manch ein Autor von sich behaupten mag), sondern aus Orten. Wenn mich ein Ort fasziniert, entwachsen seinen Mysterien die Figuren wie von allein.

 

PR: Woran schreiben Sie gerade?

IH: Ich schreibe immer an mehreren Sachen gleichzeitig. (Je nach Laune, wenn das eine Manuskript liegt und sacken muss, nehme ich mir wieder das andere vor). Ein historischer Krimi ist eben fertig geworden, die Fortsetzung der „Tuchhändlerin“ ist ebenfalls im Kasten genauso wie ein Jugendroman.

 

PR: Sie schreiben schnell. Und wann erscheinen die Bücher?

IH: Wenn die Verlagswelt irgendwann mal so schnell produziert wie ich 🙂 Im Ernst: wenn Beta-Leser, Agenten, Verleger, Lektoren und Korrekturen die Sachen absegnen, dann erscheinen sie auch.

 

PR: Wie lange brauchen Sie für einen Roman?

IH: Das ist unterschiedlich, für besagten Jugendroman brauchte ich 6 Wochen, für „Die Tuchhändlerin“ 7 Jahre, weil dafür umfassende Recherchen vonnöten waren und ich ehrlich gesagt zwischen zeitlich keine Lust mehr auf den Stoff hatte, weil er so kompliziert war und es wirklich von Zeit zu Zeit einem Kampf glich, ihn für das breite Publikum zu reduzieren.

 

PR: Könnten Sie auch ohne die Schreiberei leben?

IH: Sicher, aber sicherlich weder ausgeglichen noch glücklich.

 

PR: Wann schreiben Sie für gewöhnlich?

IH: Wann immer ich Zeit habe, weder Mutter noch Lehrerin oder Klassenleiterin, Fachbereichsleiter oder sonstig viel gefragter Mensch sein muss – also nachts, oder am WE wenn der Rest der Familie Mittagsrfuhe hält, zumeist in den sog. Schulferien.

 

PR: Wie finden Ihre Kinder es, dass Sie Romane schreiben.

IH: cool, so lange das Taschengeld stimmt 😉 nein im Ernst: Sie kennen ihre Mama ja nicht anders. Es gibt auch mal ein bissiges Wort, wenn mich meine Große trotz vereinbarter Schreibzeit am Rechner überfällt, weil ich ihre Halskette zumachen soll, aber grad nicht gestört werden will, weil ich vielleicht ein ganz und gar nicht jugendfreies Kapitel schreibe. (hihi)

 

PR: Haben Sie irgendein Ritual beim Schreiben oder in Vorbereitung darauf?

IH: 1. Rechner an, 2. Wohlfühlklamottenschlabberlook, 3. Milchkaffee, 4. Musik in die Ohren … und dann gehts los.

 

PR: Musik? Stört das nicht?

IH: Nein, die richtige Musik für jedes einzelne Buch. Jedes Skript hat seine besondere Atmosphäre und ich brauche, um total abtauchen zu können, immer einen auditiven Input, sonst geht das nicht.

 

PR: Thema abschalten?

IH: Gern mit den Kindern: keine Schule, kein Romanmanuskript, basteln, singen, wandern, Gartenarbeit.

 

PR: Was mögen Sie überhaupt nicht?

IH: Schuhe, die drücken und laute Nachbarn, LÄRM im Allgemeinen, Verpackungen (die nicht aufgehen)

 

PR: Was mögen Sie gern?

IH: meine Kinder und ihren Vater 🙂 und Zeit mit ihnen, Zeit zum Kunstschaffen, Zeit zum Lesen, gute Bücher… Zeit, Zeit, Zeit

 

PR: Urlaub?

IH: Manchmal sind schon 10 Minuten bei einer heißen Tasse Tee auf der Couch, die Kinder beim Rumblödeln beobachtend wie Urlaub. (Ich bin immer viel gereist, gewandert, um die halbe Welt mit dem Rucksack, Schweden kürzlich erst) Ich bin wohl ein bisschen reisemüde – oder alt – oder beides.

 

 

 

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